Licht

DMX-Protokolle

Lichtsteuerung mit DMX 512

In der Veranstaltungstechnik hat sich zur Lichtsteuerung das Protokoll DMX 512 durchgesetzt, dessen erste Festlegung durch die USITT (United States Institute for Theatre Technology) erfolgte.

DMX 512 1990 stellt für viele Endgeräte ein vollkommen ausreichendes und einfaches Protokoll dar. Größere Anlagen, bei denen mehr Komfort durch rückmeldende Geräte wünschenswert ist, fordern auf den ersten Blick eine Erweiterung der DMX-512-Funktionen, so dass ein neues abwärtskompatibles Protokoll wie RDM entsteht. Jedoch muss man sich hier fragen, ob bei komplexen Anlagen nicht ohnehin schon eine weit verbreitete und preisgünstige Alternative aus der Computerwelt, das Ethernet, kräftigen Anklang findet und somit ein neues Protokoll wie RDM überflüssig macht. Auch hier ein entschiedenes Jein. Bedingt durch die sternförmige Vernetzung des Ethernets wird man im Rigg wieder auf DMX wandeln, um dann von Gerät zu Gerät schleifen zu können. Möchte man dann eine Rückmeldung nutzen, benötigt man ein Signal wie RDM, um die Information bis zum Ethernet-DMX-Wandlerknoten (Node) zurück zu senden. So gesehen, werden wir zukünftig verschiedene Protokolle beherrschen müssen.

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Übersicht DMX 512:

Bezeichnung DMX 512 (Digital Multiplex Signal)
Festlegung des Protokolls durch USITT 1986, USITT 1990,
DIN 56930-2: 2000-03
Beschränkt auf einen Hersteller Nein
Senden und Empfangen Simplex (unidirektional)
Busstruktur Mehrpunktverbindung 2-Draht
Kommunikation Asynchron seriell, asymmetrisch
Protokoll wird aufgesetzt auf EIA-RS-485: 1983
Leitungslänge ohne Booster/Hub Kabellänge ca. 600 m
(theoretisch 1.200 m)
Busabschluss notwendig 120 Ohm/0,25 Watt
Max. Teilnehmerzahl
ohne Booster/Hub
32
Kommunikation Asynchron seriell, symmetrisch
Leitung Belden 9842
Alpha 5272
geschirmtes Cat.5
Steckverbinder 5-pol. XLR
Pin 2 und 3 DMX 512-A Daten
Pin 4 und 5 unbestimmt
Übertragene Kreise max. 512, Startbyte undefiniert
Auflösung 8 Bit (256 Werte werden unterschieden)
Übertragungsgeschwindigkeit 250 Kbit/s
Refreshrate 44,11 Hz (minimale Zykluszeit für
512 Werte: 22,67 ms)

 

Timing des DMX 512 Protokolls nach DIN 56930-2

DMX-Protokoll Aufbau

Bez. Beschreibung Pegel tmin tnenn tmax
1 Unterbrechung zwischen zwei Paketen 0 88 µs 88 µs
2 Mark zwischen Break und Startcode 1 8 µs 1 sek
3 Frame (Rahmenzeit) für 1 Byte Übertragung 43,12 µs 44 µs 44,48 µs
4 Startbit für ein Daten-Byte 1 3,92 µs 4 µs 4,08 µs
5 Niederwertigste Bit 3,92 µs 4 µs 4,08 µs
6 Höchstwertiges Bit 3,92 µs 4 µs 4,08 µs
7 Zwei Stopbits beenden Daten-Byte 1 3,92 µs 4 µs 4,08 µs
8 variable Zeit zwischen den Frames 1 0 µs 0 µs 1 sek
9 variable Zeit zwischen Datenpaketen 1 0 µs 1 sek

 

Beispiele für die Werte des Startbyte

… und was das Gerät daraus zu interpretieren hat:

000 = Dimmersteuerung
001 = High Bytes einer 16-Bit-Übertragung (Avolites)
006 = Low Byte einer 16-Bit-Übertragung
007 = 16-Bit-Übertragung mit Datenkompression und Checksum
255 = Übertragung von Dimmerkennlinien

Generell ist auch eine Teilübertragung möglich, es müssen nicht alle 512 Werte übertragen werden. Damit kann sich die Zykluszeit verkürzen. Viele einfache Pulte übertragen nur so viele Kanäle wie Sie auch verwalten.

 

Kabel (USITT DMX-Spezifikationen):

  • EIA485 (RS485 bei 250 Kbaud), 85–150 Ohm, 120 Ohm Standard, kleine Kapazität
  • zwei paarweise gedrillte und geschirmte Leitungen
  • LIYCY 2x2x0,5 + Schirm
  • 24 AWG Type für 300 m Streckenlänge
  • 22 AWG Type für bis zu 500 m Streckenlänge
  • Belden 9841, 9842
  • Alpha 5271, 5272

Um Schleifen zu verhindern wird empfohlen, den Schirm nicht auf Erde zu legen. Mikrofonkabel sind für die Übertragung von DMX-Digitalsignalen nicht geeignet.

 

Pinbelegung

Nach USITT kann das zweite Aderpaar (Line 2) beinhalten:

  • zweites DMX Universe
  • Rückkanal von den Lampen
  • Rückkanal im Polling-Modus von den Lampen
  • Servicekanal
  • Weiteres

Eine Versorgungsspannung auf Pin 4 und 5 (wie die Firma Pulsar es praktiziert), um Pulte mit Versorgungsspannung vom Dimmer mit zu speisen, kann bei Drittgeräten zu Schäden führen.

Belegung DMX-Steckverbinder

Belegung eines 5-pol. XLR-Steckverbinder für DMX Übertragung

Terminierung

Wie bei einem Datenbus üblich, sollte auch der DMX-512-Datenbus mit einem Widerstand abgeschlossen werden, damit keine Reflexionen bei großen Kabellängen den Informationsgehalt verändern können.

 

Abschlusswiederstand am Stecker
Selbstbau eines Abschlusswiderstands für das DMX-512 Signal (Bild: Herbert Bernstädt)

Das DMX-512-Protokoll wird in der DIN 56930-2, welche auch im DIN Taschenbuch 368 zu finden ist, ausführlich beschrieben.

Ursachen und Folgen

Nun darf man aber nicht glauben, dass mit der Festlegung des DMX 512 alle Geräte, die dieses Protokoll unterstützen, auch problemlos miteinander kommunizieren können. So senden z. B. ältere Geräte nur 90 DMX-Kreisinformationen, was auf der Empfängerseite (die heutzutage immer 512 Kreise an Übertragung erwartet) durchaus zu Irritationen führen kann. Man soll aber nicht glauben, dass solche Unverständlichkeiten nur zwischen Geräten unterschiedlicher Hersteller auftauchen – diese „Ausrutscher“ können auch innerhalb des Herstellers auftreten. So hat jeder schon seine Erfahrungen gemacht, dass bestimmte Geräte nicht in Kombination mit Anderen das gewünschte Ergebnis lieferten.

Der Unterschied der Festlegung von DMX 512 aus dem Jahr 1986 zu 1990 liegt in der Verlängerung der MARK-AFTER BREAK Time von 4 ms auf 8 µs, da sich herausstellte, dass einige Gerätehersteller Probleme mit der derzeitigen Elektronik hatten, um diese Information schnell genug umzusetzen, sodass einige Geräte eben nicht zuverlässig miteinander arbeiten konnten.

Nicht lineare Bewegung von Moving Lights aufgrund von DMX-Spezifikation

Die minimale Zyklusdauer bzw. die Zeit für einen Durchlauf mit 512 zu übertragenen Kreisen dauert 22,67 Millisekunden. Wenn sich ein Wert bei jedem Zyklus inkrementieren soll, also ein Fade von 0 auf 100 %, so summiert sich die Überblendzeit bei einem 8-Bit-Datenwort auf ca. 5,8 Sekunden. Bei 16 Bit sind es bereits ca. 247 Minuten. Deshalb arbeiten hochqualitative Moving Lights und Dimmer mit internen Timingroutinen für gleichmäßige Bewegungen und Dimmverhalten, um so linear wie möglich die Bewegung oder das Dimmlichtbild zu ermöglichen.

Trotz DMX-OK-Anzeige reagiert das Moving Light nicht

Ein Grund hierfür könnte sein, dass das Lichtstellpult in seinem DMX Frame das erste Byte nicht auf null sendet. Das erste Byte ist eine Kennung, die man nutzen könnte, um zu sagen welchen Gerätetyp man mit den folgenden Daten ansprechen möchte – z.B. ob es sich um Dimmerdaten handelt. Spezifiziert ist das Startbyte null für Dimmer. Aber auch alle Attribute von Moving Lights werden in der Regel als Dimmerwerte interpretiert, obwohl genaugenommen unter den ML-Attributen meist auch der Parameter „Dimmer“ vorkommt.

Heute arbeiten fast alle Konsolen mit dem Startcode 0. Aber auch hier es gibt noch Ausnahmen, z. B. ältere Avolites. Auch kann der Startcode von null differenzieren, wenn über den DMX-Strang ein Softwareupdate für die Moving Lights gefahren wird. Leider verhalten sich die Moving Lights dann unterschiedlich, wenn das Startbyte nicht null ist. Einige arbeiten normkonform und bleiben auf dem letzten gültigen DMX-Wert stehen, andere fangen in der Bewegung zu ruckeln an. Und zuletzt gibt es die Gruppe der Moving Lights, die das Startbyte ignorieren und einfach allen Werten folgen, die kommen – ob nun für sie bestimmt oder nicht.

Pin 4 und 5

Achtung, Pulsar- (und damit auch diverse Clay Paky) Geräte übertragen auf Ader 4 und 5, also dem zweiten Aderpaar, 20 V. Dies kann zu Problemen führen. Oftmals werden aber Pin 4 und 5 in den Geräten und Kabeln nicht durchgeschleift, so dass damit die Übertragung lahmgelegt wird. Phantomstrom könnte man als DC-Offset problemlos mit auf die Adern geben.

Abwärtskompatibel: DMX 512-A

Das DMX 512-A, dessen Spezifizierung mit der ANSI E1.11. (American National Standard Institute) erfolgt und von der ESTA (Entertainment Services and Technology Association) definiert wird, ist voll abwärtskompatibel zum DMX 512 1990. Es unterscheidet sich mit einer Definition über Überspannungsschutz, galvanische Trennung, Spezifizierungen über die Erdung, verbietet 3-polige XLR-Steckverbinder, um die Verwendung von problembringenden Mikrofonkabeln zu verhindern und definiert die Verwendung der XLR-Pins 4 und 5 zur Datenübermittlung. Somit ist auch die Übertragung von Versorgungsspannung für Pulte oder andere Geräte, wie sie z. B. Pulsar mit 25 V auf Pin 4 und 5 betrieben hat, nicht mehr erwünscht. Soweit sind die Unterschiede ähnlich wie bei den vorher beschriebenen Derivaten DMX 512/1990 zu DMX-512/DIN eher gering.

Weshalb hier dennoch ein separater Absatz erfolgt: es besteht die Möglichkeit, Informationen im Halbduplex zurückzusenden. Das System-Informations-Paket (SIP) kann Informationen wie Pultsoftware-Version, Anzahl der gesendeten DMX-Pakete oder Textinformationen übermitteln. Diese Informationen stehen jedem zum Monitoring auf der Leitung auch nach Passieren von Mergern oder Boostern zur Verfügung. So können auch Geräte ohne eigenes Display Klartextmeldungen absetzen. Über Test-Pakete ist auch die installierte Datenübertragung einfach zu kontrollieren.

Auch wurde beim DMX 512-A ein eindeutiger Geräte-Identifier eingeführt. So können die Geräte von jedem Punkt im Netzwerk aus identifiziert werden. Man kann sagen, dass DMX 512-A damit die Grundlage für das RDM-Protokoll gelegt hat.

Übersicht DMX 512-A:

Bezeichnung DMX 512-A
Festlegung des Protokolls durch ESTA BSR E1.11
Beschränkt auf einen Hersteller Nein
Senden und Empfangen Simplex
Halbduplex im Enhanced Mode
Duplex bei Verwendung Pin 4 und 5
Busstruktur Mehrpunktverbindung, 2-Draht
Kommunikation Asynchron, seriell, asymmetrisch
Protokoll wird aufgesetzt auf EIA-485-A: 1998
Leitungslänge ohne Booster/Hub Nicht definiert,
definierte Kabel 500 m
Busabschluss notwendig 120 Ohm/0,25 Watt
Leitung Geschirmtes Cat.6
Steckverbinder 5-poliger XLR (in Ausnahme RJ45)
Pin 1 Masse
Pin 2 und 3 DMX 512-A Daten
Pin 4 und 5 Daten optional
im Enhanced Mode
Übertragene Kreise max. 512, Startbyte definiert
Auflösung 8 Bit (256 Werte werden unterschieden)
Übertragungsgeschwindigkeit 250 Kbit/s

 

Je nach Modi können bei DMX 512-A Daten im Halbduplex oder unidirektional hin und her gesendet werden.

Es ist leicht nachzuvollziehen, dass bei Halbduplex die Wiederholfrequenz stark abnehmen muss, da Datenpakete auf den gleichen Leitungen zurückgesendet werden. Diese Verzögerung ist vorhersehbar bzw. kann man nicht sicherstellen, dass eine Übertragung nicht innerhalb einer bestimmten kleinen Zeiteinheit, die auch bei schnellen Leuchtmitteln wie LEDs kein Flackern erkennen lässt, vollzogen ist. Deshalb sind solche Systeme auch nicht „echtzeitfähig“. So wird man in der Praxis – zumindest im Livebetrieb – auf alle Modi, die Halbduplex auf den primären Datenstrang übertragen, verzichten.

Darstellung der möglichen Signalflussrichtungen
Über den 5pol. XLR Steckverbinder für DMX 512 sind neben der unidirektionalen Übertragung auch Rückmeldungen möglich: entweder auf der gleichen Datenpaar-Leitung wie das DMX im Halbduplexbetrieb oder über das zweite Paar Datenleitung als Duplex, oder Mischformen. (Bild: Herbert Bernstädt)

 

DMX 512 splitten und mergen

Ein Splitter hat nicht nur die Aufgabe, die Begrenzung von DMX 512 aufzuheben, um mehr als 32 Geräte an eine Linie anschließen zu können. Vielmehr ist der Splitter ein gestalterisches Hilfsmittel, um die DMX-Verteilung sinnig durchzuführen. Diese Signalverteilung hat durchaus etwas mit Havarie zu tun, denn wenn z. B. ein DMX-Strang ausfällt, weil eine Datenleitung einen Schluss hat, wird durch die galvanische Trennung, die ein guter Splitter auf jeden Fall aufweisen sollte, gewährleistet, dass sich der Fehler nicht weiter ausbreitet und sich nur in diesem Strang auswirkt.

Auch kann die Verteilung der Stränge – wie z. B. Galerie oben rechts, Galerie Mitte rechts, Galerie unten rechts – die Fehlersuche erheblich beschleunigen. Denn wenn alle Geräte eines Steuerungsstranges auf einmal ausfallen, wird das Problem doch meist auch in dieser Ebene zu finden sein. So wie man wichtige Scheinwerfer für z. B. ein Solo doppelt ausführt, sollte man bei einem DMX-gesteuerten, gedoppelten Moving Light auch ein anderes DMX-Universum verwenden, um dem Ausfall des DMX-Strangs entgegenwirken zu können. Hier kommt es auch darauf an, wie man seine Scheinwerfer oder Dimmer im Pult konfiguriert – wie sie sich verhalten sollen, wenn das DMX-Signal ausfällt.

Sehr bewährt hat sich die Einstellung, die momentane Position und Lichtstärke beizubehalten. Würde ansonsten plötzlich alles dunkel werden, würde der Zuschauer sofort merken, dass hier etwas verkehrt ist. Bei einem dunklen Raum könnte auch große Unsicherheit und Unruhe entstehen, denn eine Notbeleuchtung würde nicht anspringen, wenn Strom vorhanden ist, also nur unser DMX ausgefallen ist. Bei einem gedoppelten Soloscheinwerfer dagegen könnte es eher vorteilhaft sein, wenn er ohne DMX ausgeht und der Ersatzscheinwerfer seinen Job antritt, um den Künstler wie gewohnt zu verfolgen und die Farbe zu wechseln bzw. bei der Folgestimmung eben nicht weiter den Raum erhellt. Oftmals wird der Ersatzscheinwerfer synchron mit Helligkeit mitgefahren, so dass bei Ausfall eines Scheinwerfers sich nur die Helligkeit halbiert, aber der Look erst einmal gleichbleibt.

Prinzipbild Splitter
Einfache Aufsplittung und anschließendes Boosten für unidirektionalen Datenfluss (z.B. DMX 512) (Bild: Herbert Bernstädt)

 

DMX-Splitter mit RJ45 ausgängen
Beispiel eines DMX-Booster-Splitter Hier in Ausführung mit RJ45 Steckverbinder: Diese werden gerne bei Festinstallationen verwendet, da hier Ethernet-Kabel verwendet werden können. (Bild: Lightpower)

Eine andere Art zu splitten, ist das Unterteilen der Beleuchtung in verschiedene unabhängige Gruppen. So kann z. B. die Moving-Light-Gruppe unabhängig von der Weißlichtgruppe agieren, die wiederum unabhängig von den Verfolgerfahrern agiert. Nun könnte man hingehen, die Verfolger DMX-gesteuert mit auf das Lichtstellpult setzen und natürlich Dimmer (sprich Weißlicht) ebenfalls mit dem Lichtstellpult zusammen fahren. Dies ist heute eigentlich die Normalität, insbesondere um bei mehreren Verfolgern möglichst gleichbleibende Qualität und Synchronität bei Ein- und Ausblendfades zu erzielen.

Auf der anderen Seite gibt es Produktionen, die die Verfolger über einen Caller dirigieren und ein Moving-Light-Pult sowie ein extra Dimmerpult einsetzen. Hier geht man davon aus: wenn ein Pult ausfällt, dann sind immer noch zwei Bereiche wie z. B. Verfolger und Weißlicht ohne Qualitätseinbußen – und das kann als Show noch hingenommen werden. Der Moving-Light-Operator kann sich derzeit um sein Problem kümmern. So ist die Betreuung zweier Pulte zwar personalintensiver, birgt jedoch eine akzeptierbare Verfügbarkeit des weiteren Showablaufs.

Schaltschaema zur aufteilung in Signalgruppen via Splitter
Typische Aufteilung der Signalwege, wenn das Pult zwei DMX-Universen direkt ausgeben kann. (Bild: Herbert Bernstädt)

 

DMX-Merger

Ein Merger weist meist zwei DMX-Eingänge auf und generiert daraus einen neuen, dritten, abgehenden DMX-Strang. Am Merger kann man meist einstellen, ob von den beiden DMX-Strängen der jeweilige Kanal, der den höchsten Wert hat, als ausgehender DMX-Wert genommen werden soll oder bei welchen der beiden Strecken die letzte Änderung erfolgt ist. Kurz: man kann oft HTP- und LTP-Mode umschalten.

Weiterhin bieten einige Merger auch Prioritäten an den Eingängen als Funktion an. Hier wird dann entschieden, dass die DMX-Linie am Ausgang anliegt, welche die Priorität erhalten hat, wenn beide Linien DMX senden. Und erst wenn die Priorität behaftete Linie ausfällt, wird die zweite Linie durchgeschleift. Damit ist man bereits schon sehr schnell im Fall der Fälle – dieses Vorgehen birgt jedoch die Gefahr, dass ein Lichtsprung zu sehen ist, wenn von einem zum anderen Pult gewechselt wird. Insbesondere wenn der Ausfall z. B. mitten in der Überblendung erfolgt oder Moving Lights in Bewegungsloops angesteuert werden, da beide Pulte ja nicht auf dem gleichen Stand der DMX-Ausgangswerte stehen müssen. Auch wenn man die gleiche Cue beim Backup angewählt hat, so ist bei Bewegungsloops ja der Zeitpunkt des Aufrufens für die momentane Pan- und Tilt-Position entscheidend.

Funktionsbild für einen Merger
Zwei Digitalsignale kann man nicht einfach wie analoge Signale zusammenschließen. Man muss jeweils die Protokolle lesen um Sie dann als neu zusammengesetztes Protokoll auszugeben. (Bild: Herbert Bernstädt)
19" Merger
Beispiel für einen Merger (Bild: Lightpower)

Ältere DMX-Varianten

PMX

Pulsar hatte seinerzeit sein eigenes Protokoll entwickelt, das heute noch gelegentlich eingesetzt wird. Der Nachteil der langsameren Übertragung gegenüber dem DMX kann genauso gut ein Vorteil sein. Denn wenn die Übertragungsgeschwindigkeit sich in einem Rahmen bewegt, der für die frühe Computertechnik entwickelt wurde, dann können auch die gebräuchlichen Computerschnittstellen ohne irgendwelchen zusätzlichen technischen Aufwand genutzt werden. So lassen sich kleine Installationen mit minimalem Aufwand realisieren.

Pulsar hatte erst vor kurzer Zeit eine PC-Stellwartensoftware namens Winlite zum Download bereitgestellt. So konnte sich jeder ein Kabel von D-Sub zum XLR-Kabel löten und damit Pulsar-Dimmer, Clay Paky Moving Lights und Scanner über seinen RS232-Ausgang vom Laptop aus mittels PMX steuern. Zusätzliche Kosten – keine. So werden heute noch spezielle Projekte wie z. B. ein Städteplan, bei dem ein Mauszeiger sich durch die Straßen bewegen soll, mit einem Scan mit Mauspfeil-Gobo über Winlite mit PMX gesteuert.

Zu der Zeit der Entwicklung der Schnittstelle war es für Pulsar praktisch, über Pin 4 und 5 eine Versorgungsspannung für ihre Pulte vom Dimmer oder einigen Moving Lights liefern zu lassen. So wurde an einigen Pulsar-Pulten ein Netzteil gespart und man war mit der einfachen Verkabelung wesentlich beweglicher im Raum. Dieser Vorteil verkehrte sich aber zu einem Problem, nachdem über dieselben Kabel und Steckverbinder DMX 512 übertragen wurde. Zwar konnten die Pulsar-Geräte weiterhin den Vorteil der Stromversorgung über Pin 4 und 5 nutzen, jedoch wenn andere Geräte auch mit einbezogen wurden, konnte es vorkommen, dass dieselben Pins für eine weitere Übertragungsstrecke genutzt werden sollten. Dies hat die Versorgungsspannung der Pulsar-Geräte aber meist weniger irritiert als die Geräte, die Daten über Pin 4 und 5 übertragen wollten. So war dann oft nur eine nur kurze Information – in Form einer kleinen Rauchwolke – die Folge der unterschiedlichen Ansätze.

Übersicht PMX:

Bezeichnung PMX (Pulsar Multi Plex)
Festlegung des Protokolls durch Pulsar
Beschränkt auf einen Hersteller Ja, historisch bedingt auch Clay Paky
Senden und Empfangen Simplex
Busstruktur Mehrpunktverbindung, 2-Draht
Kommunikation Asynchron, seriell, asymmetrisch
Protokoll wird aufgesetzt auf RS232/423
Leitungslänge ohne Booster/Hub Beliebig
Kommunikation 1. Byte setzt Seite der Adresse
2. Byte setzt Adresse 1–120
3. Byte sendet Wert bei 7-Bit-Auflösung
evtl. 4. Byte gibt Wert für 8 oder 14 Bit
Auflösung
Leitung Geschirmtes Kabel
Steckverbinder 5-poliger XLR, 25 D-Sub, BBC Micro
Übertragene Kreise max. 15.360 (128 Seiten à 120 Kanäle)
Auflösung 8, 14 Bit, ältere Versionen nur 7 Bit
Übertragungsgeschwindigkeit 9,6 Kbit/s
Refreshrate Unbestimmt, nur Änderungen müssen
übertragen werden

Weitere Hersteller-Protokolle

Neben den Pulsar-Protokollen hatte beinahe jeder Hersteller sein eigenes Digitalprotokoll auf den Markt gebracht, welches sich nur wenig vom herstellerübergreifenden DMX unterschied. Man versuchte damit, den Kunden bei der Wahl von Lichtstellpult und Dimmer an die Marke des eigenen Hauses zu binden.

Übersicht weitere Protokolle:

ADB 62,5 VMX Lee Coltran AVAB DMX 1986 DMX 1990
Kanäle 512 512 512 256 512 512
Speed 62,5 KBaud 67,8 KBaud 156 KBaud 153 KBaud 250 KBaud 250KBaud
Bitlänge 16 µs  – 6,41 µs  – 4  µs 4 µs
Break 300 µs 1 s 141 µs  – 88 µs 88 µs
Mark 380 µs 1 s 6,41 µs  – 4 µs 8 µs
Startbit 1 Bit 15 µs 1 Bit 1 1
Daten

8 Bit

00-FE Hex

8 Bit  – 8 Bit

00-FE Hex

8 Bit 8 Bit
Stopbit 1 Bit 15  µs  – 2 Bit 2 Bit 2 Bit
TbF Kein 1 s  –  – 0-1 s 0-1 s
IDLE 36-56 µs 1 s  –  – 0-1 s
Startcode 0, FF, 1 ja  – 0, FF, 1 ja ja

 

DMX-Protokoll Aufbau
Typischer Signalverlauf von Digitalsignalen der Varianten, jedoch sind die zu Beginn im Bild bezeichneten 88µs auch schon mal bei ADB 300 µs oder Lee Coltran 141 µs lang. (Bild: Herbert Bernstädt)
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