Licht

Erstellen einer Lichtstimmung mit Presets und Gruppen

Zwischen dem Setup und dem Speichern der ersten Cue können viele Wege beschritten werden. Einige führen sehr schnell zum ersten Speicherbefehl, andere benötigen strukturierte Vorarbeiten. Jeder Weg hat, je nach Zielsetzung, seine Berechtigung.


Übersicht:

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Anwahl
Gruppen
Parameter
Fan / Align
Preset
Effekte
Vorgehen


Wir gehen davon aus, dass das Pult gemäß dem Kapitel Setup bereits eingerichtet ist und somit alle benötigten Scheinwerfer anwählbar sind. Man kann jetzt hingehen und Scheinwerfer anwählen, an den Encoder-Rädern drehen und auf die Speichertaste drücken, um eine Cue abzuspeichern. Das wäre nun mal der schnellste Weg zum Speichern einer Cue und durchaus brauchbar für eine statische Messeausleuchtung. Für Theateranwendung oder Touring wird man jedoch einige Zwischenschritte einlegen. Doch nun wollen wir uns zuerst dem Thema Anwahl zuwenden.

Nummernfeld Console
Mit einem 10er Tastenfeld können sehr schnell Scheinwerfer angewählt und Intensitäten zugeordnet werden. (Bild: Herbert Bernstädt)

Anwahl

Um einem Scheinwerfer (Scheinwerfer wird hier allgemein verwendet und gilt auch für Moving Lights, Dimmer oder Fixtures) einen Steuerbefehl über DMX oder andere Protokolle zu übermitteln, muss man dem Pult als erstes sagen, welcher Scheinwerfer von allen, die im Setup angelegt wurden, nun angesprochen werden soll. Dazu muss der gewünschte Scheinwerfer ausgewählt werden, meist indem man die Fixutre-ID, die man im Setup definiert hat, aufruft. Über sinnvolle IDs hatten wir uns im Kapitel Setup bereits beschäftigt. Nach der Anwahl spricht man auch von angewählten, selektierten oder aktivierten Scheinwerfern. Die Anwahl kann unterschiedlich auszuführen sein.

Tastenböcke Befehle und Nummern
Zifferntaste mit Befehlsblock (Bild: Herbert Bernstädt)

Im Theater erfolgt die Anwahl gerne über einen Tastenblock. Bedingt durch die Arbeitsweise eines Regisseurs, der meist mit Dimmerkreisen groß geworden ist, erfolgen Ansagen wie: Mach mal die 13, 18 und 34 ein bisschen heller. Als Lichtstellwerker – wir würden ihn im Touring Operator nennen – ist es nun einfach im Zehnertastenblock 13 + 18 + 34 und dann die Befehlstaste +5 % zu drücken. Das geht sehr schnell und der Regisseur ist zufrieden. Nun ist das aber nicht bei jedem Pult genauso: einmal muss man z. B. vorher sagen, ob man nun ein Fixture, einen Dimmerkreis oder die später noch zu beschreibende Gruppe anwählen will. So muss nun eine Auswahltaste vorweg gedrückt werden. Dann gibt es Lichtstellpulte, die einen Enter-Befehl nach der Auswahl der Fixture benötigen, da sie ansonsten keine +5 % Wertänderung annehmen. So hat man schon einen weiteren Tastendruck zu tätigen. Sollte sich dann nach den +5 % zusätzlich noch ein Enter-Befehl erforderlich sein, so ist das für einen schnell arbeitenden Operator nicht mehr tragbar. Zwar hören sich drei zusätzliche Tastendrücke im ersten Moment zwar wenig an, für ein schnelles Arbeiten sind sie jedoch einfach zu umständlich und bei der Masse an Eingaben in der Summe auch zeitraubend, insbesondere wenn man sich einmal vertippt.

Zifferntaste mit Anwahlblock
Ein eher theaterorientiertes Tastenfeld: Rechts deutlich zu sehen die +/– Prozenttasten (Bild: Herbert Bernstädt)

Pulte, die von vornherein das Theater nicht als Zielgruppe sehen, besitzen oftmals auch gar keine +5 %- bzw. –5%-Taste. Hier muss man das mit dem Encoder-Rad oder per Tastenbefehl eingeben, wobei dann bei einfachen Pultoberflächen auch nur der absolute Wert eingegeben werden kann. Stand der Wert z. B. vorher auf 60 % muss nun @65 eingegeben werden. Stehen die Kreise 13, 18 und 34 auf unterschiedlichen Ausgangswerten, hat der Lichtstellwerker sich schon mehr zu konzentrieren, um für jeden Kreis einen anderen Wert einzugeben. Allein bei diesem kleinen Beispiel kann man schon sehen, dass die Eingabe einfacher Helligkeitswerte von drei Scheinwerfern einmal mit neun Tastendrücken abgeschlossen sein kann oder ganze 24 Schritte benötigt, wodurch die Gefahr des Vertippens sich natürlich erhöht.

Der Befehl, mit welcher Intensität der Dimmerkreis leuchten soll, kann wie im Beispiel mit der Taste „AT“ bzw. „@“ oder auch „Level“ erfolgen. Da man hier um jeden Tastendruck verlegen ist, findet man oft Tasten, die eine bestimmte Folge zusammenfassen. Beispielsweise statt AT, 1, 0, 0 zu drücken wird eine Tast „AT Full“ oder „0 %“ angeboten. Natürlich kann die Eingabe auch über Stellrad oder Schieberegler erfolgen, was aber bei benötigter exakter Eingabe zum Treffen des gewünschten Werts erheblich länger dauert. Sind mehrere Scheinwerfer angewählt und mit unterschiedlichen Werten eingerichtet, ist es bei der Eingabe von Aufschlägen – sei es über eine +/– % Taste oder über das Stellrad – wichtig, wie die Proportionalität zwischen den Kreisen aufrecht gehalten wird. So kann es vorkommen, das manche Pulte ihre Anzeige bzw. ihren Wertevorrat, der berechnet wird, bis 200 % bzw. –100 % erlauben. Denn wenn ein Spot mit 90 % leuchtet, der zweite mit 60 % und der Regisseur testweise 30 % mehr Licht verlangt, dann wird der erste Kreis mit 100 % leuchten, aber intern mit 120 % gehalten, während der zweite Kreis mit 90 % leuchtet. Wenn sich der Regisseur nun überzeugt hat, dass das doch nicht so gut aussieht, kann der erste Kreis mit dem –30 %-Befehl wieder auf 90 % zurückgefahren werden. Wäre bei 100 % im Wertevorrat Schluss gewesen, würde der Kreis bei +30 % schon lange am 100 %-Anschlag liegen und der –30 % Zurückbefehl würde dann 70 % zur Folge haben – wobei aber die Proportionalität zum zweiten Kreis verloren gegangen wäre und das vorige Lichtbild unfreiwillig verändert ist. Deshalb ist die Wahrung der Proportionalität wie auch die Möglichkeit, Prozentaufschläge bzw. -abschläge von angewählten Gruppen zu ermöglichen, wichtig, wenn man mit dem Pult im Theater arbeiten möchte.

Eine weitere Vereinfachung für den Lichtcheck, aber auch für das nacheinander Bearbeiten von Scheinwerfern, sind „Next“- bzw. „Previous“- Tasten, mit denen man den nächsten Scheinwerfer anwählt und den vorigen abwählt. Diese Tasten sind genauso praktisch wie eine „Bis“ bzw. „Through“ und natürlich die „Minus“ bzw. „Exept“ Taste. So kann man eine Gruppe von Scheinwerfern anwählen, wie z. B. alle von 10 bis 30 außer Scheinwerfer 15 und 18. Auch hier hat man schon unterschiedliche Notationen kennengelernt. So kann bei einem Pult diese Anforderung mit 10 Through 30 –15 –18 lauten, während bei einem anderen Pult die Syntax 10 Trough 30 ENTER EXEPT 15 +18 lauten muss. Für Lichtstellwerker, die in einem Theater die nächsten 20 Jahren vor so einem Pult sitzen müssen und unzählige Male diese Tasten drücken werden, kann diese Frage bei sonst gleichwertigen Pulten entscheidend sein.

Manche Pulte verfügen über eine sogenannte Kommandozeile, bei der die Eingaben der Tasten in einer Zeile mit protokolliert werden. Auch diese Ausführung der Kommandozeile kann sehr unterschiedlich sein. Es gibt Pulte, bei denen schreibt man die Kommandos mit einer Computertastatur als Text bzw. deren Abkürzung des Befehls. So kann man dem schnellen Tastaturmenschen, der seine Befehle schon verinnerlicht hat, eine extrem schnelle Eingabeart ermöglichen. Bei einigen Pulten dient die Protokollierung, um evtl. vermeintliche komische Reaktionen des Pults nachvollziehen oder reale Bugs erkennen zu können. Eine weitere Funktion der protokollierten Befehlsketten ist wiederum praktischer Natur, wenn man sie zur erneuten Ausführung aufrufen kann. Gesteigert wird dieser Komfort, wenn man die protokollierte Zeile noch editieren kann, um sie dann erneut aufzurufen. Und der letzte Schliff ist, wenn das System auch noch fehlertolerant arbeitet bzw. Vertippen wie eine Rechtschreibprüfung erkennt und den naheliegenden Begriff vorschlägt.

Eine andere Methode, statt die ID der gewünschten Scheinwerfer auf das Nummernfeld zu tippen, ist die Anwahl der Scheinwerfer mit einer eigenen Taste. Heute wird die Taste meist auf einem Touchscreen wiedergegeben. Früher wurden diese Tasten aber auch als echte Tasten ausgeführt. Man sprach dabei vom Lastkreistastenfeld. Zu Beginn wurden diese Tasten auch einzeln verdrahtet. Bei einigen Theaterinstallationen fand sogar eine Dimmerrückmeldung in der Form statt, dass ein Stromwandler am Dimmerausgang ein Signallämpchen an der entsprechenden Taste im Tastenfeld angetrieben hat. So konnte der Stellwerker auch gleich sehen, ob der Dimmer arbeitet bzw. auch ein Scheinwerfer angeschlossen oder das Leuchtmittel defekt war. Natürlich hatte man bei diesem Verdrahtungsaufwand auch noch Zeit und Muße, das Lastkreisfeld nicht nur einfach als durchnummeriertes Tastenfeld kompakt anzuordnen, sondern man hat die Verteilung der Versätze im Haus auf die Anordnung der Tasten im Lastkreistastenfeld übertragen. So war eine extrem schnelle Übersicht und Arbeitsweise auch für ungeübte in diesem Haus möglich.

Heute kann man oftmals die Touch-Tasten im Bildschirm so hin und herschieben, dass ebenfalls eine geografische Widerspiegelung der Scheinwerfer-Anordnung zu erkennen ist. Manchmal jedoch werden die Kreise dann nur nach ID-Nummern sortiert und Leerplätze, die eine Gruppierung erlauben würden, stehen nicht zur Verfügung. Bei den Hardware-Tastenfeldern konnte man ganze Reihen von Scheinwerfern gleichzeitig anwählen, wenn man die erste und die letzte Taste des betreffenden Felds gleichzeitig gedrückt hielt. Bei den Touchscreens war das lange Zeit nicht möglich, bis man heute mit Multitouch davon wieder Gebrauch machen kann.

Eine andere Art der Anwahl kann auch über Schieberegler erfolgen, so wie man sie vorher von den Preset-Pulten auch kannte. Hier hat man diese bewährte Arbeitsweise einfach für die Steuerung von Multifunktions-Scheinwerfern übertragen, so dass mit Bewegung des Schiebereglers das Moving Light angewählt wird und der Dimmerwert sich verändert. Es gibt sogar Pulte, die erlauben die Zuweisung von Farbenmischsystemen oder Pan/Tilt auf diese Schieberegler, die dann auch noch über zwei Voreinstellungsreihen umgeblendet werden können. Somit wird es selbst für einen unbedarften Laien möglich, komplexe Scheinwerfer mittels Zwei-Voreinstellungs-System nur mit Schiebereglern (Fadern) von einer zur nächsten Lichtstimmung zu arbeiten. Im Singlepreset-Mode ist dies auch eine schnelle Arbeitsweise, um sich Lichtstimmungen zusammenzustellen, da man durch die vielen verfügbaren Schieberegler schnell direkten Zugriff erhält. Wohlgemerkt, diese Faderbank ist nicht wie bei einem Submaster oder Cuestack, der eine Cue gespeichert hat, zu verstehen, sondern als direkter Attributzugriff im Programmer.

Ortographisches Anwahlfeld
Tasten-Lastkreistastenfeld – Schaltschrank an der Wand der Lichtregie, geografisch dargestellt (Bild: Herbert Bernstädt)

 

VL Artisan
Links oben ist das Anwahlfeld – mit Reihenfolge nach ID (Bild: Herbert Bernstädt)

 

Pilot 3000 Screen Anwahl
Einfaches Touch-Anwahl-Feld mit Reihenfolge nach ID (Bild: Herbert Bernstädt)

 

Touchscreen Anwahlfeld
Anwahlfeld auf Touch im Grundriss, geografisch dargestellt (Bild: Herbert Bernstädt)

 

Gerade bei begrenzten Ressourcen entdecken Regisseure lange nach den Beleuchtungsproben während der Szeneproben hier und da noch Beleuchtungslücken. Diese sollen natürlich gefüllt werden und dann kommen die Fragen an den Lichtstellwerker, ob man diesen Scheinwerfer denn dorthin richten kann, da dies natürlich in der Szene ganz wichtig ist. Als Partner des Regisseurs drücken sie dann auf ihrem Pult eine Taste und sagen , dass gerade dieser Scheinwerfer aber in der Szene x noch eingesetzt wird und von Szene z bis u der Scheinwerfer mit 100 % leuchtet. Ja richtig sagt unser Regisseur, gefolgt von der Frage, welcher Kreis wäre noch frei, um einen weiteren Scheinwerfer für diese Stelle einzurichten. Auch hier gibt es Lichtstellpulte, die diese praktischen Fragen zu beantworten vermögen. So gibt es Tasten, die anzeigen, welche Kreise bereits in welcher Cue gespeichert wurden. Invers betrachtet weiß man dadurch, welche Kreise noch nicht verwendet wurden und somit noch frei sind. Detailliertere Angaben wie welche Kreise in Cues verwendet wurden und eine Intensität über 0 oder von Wert x bis y aufweisen, zeigen den Anspruch auf die Oberliga für Stellwerke. Diese Funktion wird auch als Path bezeichnet.

Genauso gibt es dann eine Befehlstaste, die alle Kreise anzeigt die in irgendeinem Arbeitsregister gespeichert sind, oder welche Kreise in dem gerade benutzten Register nicht genutzt werden. Gerade in einem Tracking-Pult benötigt man die Übersicht, in welcher Cue ein Scheinwerfer welche Intensität zugeordnet bekommt, doch dazu an späterer Stelle mehr. Die Abwahl erfolgt meist mit einer CLR, Unselect oder X-Taste, wobei einzelne Kreise auch mit einer Minustaste aus der Anwahl herausgenommen werden können.

Die Abwahl des Scheinwerfers bedeutet nur, dass die Attribute, die danach verändert werden, keinen Einfluss auf den Scheinwerfer haben. Bei einem folgenden Speicherbefehl werden je nach Mode dennoch die veränderten Attribute abgespeichert, auch wenn der Scheinwerfer nach dem Verändern abgewählt wurde. Möchte man, dass diese Änderungen von dem betreffenden Scheinwerfer beim nächsten Speicherbefehl nicht mitgespeichert werden, so muss man ihn aus dem Editor bzw. Arbeitsregister löschen oder mit einem „Free“-Befehl von der Kennung „geändert, also bitte mitspeichern“ befreien.

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Gruppen

Damit man bestimmte Kombinationen von Scheinwerfern nicht wie eben beschrieben mit langen Tastenreihen zusammenstellen muss, hat man die Möglichkeit Gruppen zu bilden. Unter Gruppen versteht man mehrere Scheinwerfer, die beim Aufruf der Gruppe gleichzeitig angewählt sind. Meist werden Gruppen einfach gebildet indem man einmal wie vorher beschrieben mehrere Scheinwerfer anwählt und dann den Befehl gibt „Speicher“ „Gruppe“ ausgeführt wird. Diese Gruppe mit Namen oder ID als Kennung wählt dann alle Scheinwerfer an, die beim Speicherbefehl auch angewählt waren.

Welche Scheinwerfer man zusammenfassen möchte, hängt meist von der persönlichen Arbeitsweise ab. Oftmals werden die Scheinwerfer eines Typs an einer bestimmten Position wie z. B. VL5 des oberen Gegenlichtzugs zusammengefasst. Einmal die Position, die als Einheit das gleiche Licht senden soll und zum anderen der gleiche Typ, da hier die Encoder bzw. die Parameterzusammensetzung am Pult die Gleiche ist und damit der Zugriff bzw. das Einstellen der Parameter sehr systematisch erfolgen kann. Denn es gibt auch Pulte, bei denen bei Anwahl von zwei verschiedenen Scheinwerfertypen, z. B. einen mit RGB- und den anderen Typ mit CMY-Farbmischeinheit, diese nicht mehr gleichzeitig auf den Encoder-Rädern einzustellen sind. Spätestens bei so einem Pult muss man die Typen als Gruppe zusammenfassen.

Oft ist es auch sinnvoll für eine dynamische Beamshow oder für das berühmt berüchtigte Las Vegas Lichtband, wenn man aus einer Gruppe von Scheinwerfern nur jeden zweiten Scheinwerfer als eine weitere Gruppe zusammenfasst und natürlich auch das inverse Abbild der soeben beschriebenen Gruppe. Man spricht dann auch von Odd und Even, also den geraden und ungeraden Scheinwerfern – wobei hier nicht die Bauform des Scheinwerfers gemeint ist, sondern die Nummerierung der ID. So lässt sich dann schnell ein Lauflicht mit Intensitäten als Wechsel zweier Gruppen bilden. Wird das Lauflicht noch über Sound-to-Light getriggert, ist schon ein eindrucksvoller Gegenlicht-Beameffekt realisiert. Sind in diesem Effekt nur die Intensitäten programmiert worden, dann kann man bei einem Tracking-Pult und LTP-Einstellung diesen Wechselblinker bei jeder gerade anstehenden Farbe und Bewegung der Scheinwerfer einfach darüberlegen. Natürlich muss man bei Odd und Even nicht gleich aufhören, sondern kann ja auch 4er Gruppen zusammenfassen und sonstige Kombinationen.

Da dies zum Speichern der entsprechenden Gruppen viel Anwahlarbeit bedeutet und wir bereits festgestellt haben, dass der Lichtstellwerker mit jedem Tastendruck geizt (denn er benötigt Zeit und die hat man als Operator nie), werden auch weitere Funktionen zur automatisierten Gruppenanwahl geboten. So kann man bei einigen Pulten ein Dialogfenster öffnen, in dem sich einstellen lässt, ob man bei allen Scheinwerfern die sich nun im Programmer (Editor oder Arbeitsregister) befinden die Anwahl bei jedem zweiten, dritten, vierten in Zweiergruppen, in Dreiergruppen und einem Offset anwählen will.

Pilot 3000 Screen Gruppen
Beispiel Gruppenbildung mit Odd und Even, rechts und links, Moving Lights und konventionellem Licht oder Fokusgruppen (Bild: Herbert Bernstädt)

 

Gruppierende Anwahl
Selektieren jedes zweiten, dritten, oder … Scheinwerfers (Bild: Herbert Bernstädt)

 

Diese Scheinwerfer sind dann aktiv im Programmer, sprich Arbeitsregister oder Editor, während die anderen Scheinwerfer inaktiv im Programmer verweilen. Diese Anwahl kann man mit Invers dann natürlich auch umkehren. So hat man auch ohne Programmierung von Odd- oder Even-Gruppen einen schnellen Zugriff. Ein anderer Pulthersteller nannte diese Funktion dann MA-Triks, wir verraten hier aber nicht, um welches Pult es sich hierbei handelt.

Im vorigen Beitrag hatten wir erwähnt, dass die ID der Scheinwerfer auch für die Reihenfolge in der Ausführung bei einer Effekt-Engine sein kann. Sollte die ID nicht dafür herangezogen werden, so ist dann meist die Reihenfolge, mit der die Scheinwerfer angewählt wurden, ausschlaggebend. Dies hat zum Vorteil, dass man eine Gruppe von Scheinwerfern von Effekt zu Effekt mit unterschiedlicher Reihenfolge genauer auf die eigenen Vorstellungen wie der Effekt auszusehen hat, abstimmen kann. Speichert man nun eine Anwahl von Scheinwerfern, sollte man auch die Reihenfolge mit der die Scheinwerfer angewählt wurden beachten, denn sonst kann es vorkommen, dass bei Anwahl über Gruppen und Aufrufen des Effekts das Ergebnis nicht so ausfällt wie man es erwartet hätte. Bei extensiver Effektnutzung kann es also durchaus Sinn machen, die gleiche Gruppierung von Scheinwerfern je nach unterschiedlicher Reihenfolge der Selektion als eigene Gruppe abzuspeichern.

Somit ist das Gruppenbilden eine der großen Arbeitserleichterung beim Lichtsetzen und sollte nach dem Setup das Erste sein, was man am Pult vorbereitet.

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Parameter

Hat man nun die gewünschten Scheinwerfer angewählt, so muss man den Motoren des Scheinwerfers mitteilen, welche Position sie annehmen sollen, um ein Lichtbild zu erstellen. Diese Werte werden Steuerkreise, Parameter oder auch Attribute genannt. Die Eingabe kann dabei numerisch, per Schieberegler, elektronische Schiebereglernachbildungen oder über digitale Endlos-Stellglieder der Encoder erfolgen. Bei der Eingabe über Ziffernwerte ist es oft vorteilhaft, wenn man schnell das Wertesystem von dezimaler Eingabe auf HEX oder prozentuale Eingabe umschalten kann. Heute wird die HEX-Schreibweise kaum noch eingesetzt, war aber bei Applikations-Programmierern sehr beliebt, so dass sie darüber auch ihren Code geschrieben haben. Übrig geblieben ist von der HEX-Darstellung manchmal die Verwendung von FF für 100 %, da bei der Bildschirmdarstellung nur zwei Zeichen benötigt werden, was nicht so breit ist wie drei Zeichen von 100.

Bei der Ausführung der Tasten ist man schnell in einer Zwickmühle. Einmal möchte der Bediener einen deutlichen Druckpunkt spüren, am besten noch mit einem akustischen Bestätigungsknacken, wenn die Taste betätigt wird. Auf der anderen Seite will man, wenn das Pult in der Nähe von Zuschauern steht, eine absolut lautlose Bedienung. Jedoch ist der Druckpunkt für den Lichtstellwerker eine wichtige Tastenfunktion für die sichere Bedienung. Sichere und schnelle Bedienung ist auch die Grundlage bei einem Bedienkonzept, bei dem die Tasten keine Doppelfunktionen aufweisen.

Verlassen wir die Eingabe via Tastatur-Nummern-Eingabe und verwenden die Encoder, dann ist es sinnvoll, wenn man bei der Eingabe schnell zwischen dem grobauflösenden Byte bzw. Mode in den fein auflösenden Mode mit 16 Bit oder gar 24 Bit umschalten kann, um z. B. Pan und Tilt exakt auszurichten. Wenn man bedenkt, wie oft die Werte verändert werden, dann sind die Encoder wohl eines der meist strapazierten Bedienelemente an einem Lichtstellpult. So ist es nicht verwunderlich, wenn dieses Bauteil sehr großem Verschleiß unterliegt. Pulte, die eine hohe Zuverlässigkeit gewährleisten wollen, sorgen für den richtigen Aufbau eines solchen Encoders, indem er z. B. erst gar nicht auf einer Basisplatine angelötet wird, sondern die Belastung an die Gehäusetragkonstruktion abgibt. Ist dann der Encoder noch mit einem Steckverbinder an der Zuleitung ausgestattet, so können im Fehlerfall die Encoder auch auf der Produktion gegen einen anderen Encoder ausgetauscht werden.

Was man auch als Lichtstellwerker in seine Begutachtung vom Lichtstellpult mit einbeziehen sollte, ist die Sensibilität der Encoder. Bei einigen Geräten wird die Encoder-Auflösung dynamisch verändert, je nachdem wie schnell oder andauernd man einen Encoder dreht. Das kann manchmal sehr sinnig ausgeführt sein oder auch sehr nervig werden, wenn man mit aller Regelmäßigkeit über das Ziel hinausschießt. Ist die Auflösung starr und sehr fein eingestellt, dann muss man ewig lang Kurbeln, um vom Parameter-Ende zum Anfang zu gelangen. Umgekehrt sind dann kleine Änderungen meist mit am Ziel vorbeigerast und man hat nicht immer die Ruhe für sehr feinfühlige Bewegungen. Auch sind die Dämpfung eines Encoders und das Rollverhalten für das Wohlbefinden des Operators ausschlaggebend. Manche Encoder werden einmal beschleunigt und drehen sehr lange nach – das ist praktisch, wenn man Endwerte erreichen will. Auf der anderen Seite hat man es auch im Gefühl, wie viel man den Encoder anschieben muss, um einen Zielwert zu erreichen. Dann ist eine Dämpfung, die ein sanftes Stoppen des beschleunigten Encoders bewirkt, vorteilhaft.

Encoder lagerung
Encoder angehoben … Alle Kraft wird über Kugellager auf eine massive Aluwanne abgeleitet (Bild: Herbert Bernstädt)

 

Regia Encoder von Platine entkoppelt
Encoder von unten … keine Kraft wirkt auf die Platine. Mit Steckverbinder zum schnellen Austausch (Bild: Herbert Bernstädt)

 

Insbesondere zum Einstellen von Pan- und Tilt-Werten wird neben den Encodern oftmals eine separate X/Y-Eingabeeinheit angeboten. Diese kann als Joystick, Track- oder Encoderball ausgeführt sein. Während bei einem Trackball immer nur die Veränderungen aus der gerade bestehenden Lage übermittelt werden, weist der Encoderball eine Ausgangsposition auf, auf die er mittels Federkraft immer wieder in die Nullposition zurückgezogen wird. Somit ähnelt der Encoderball sehr einem Joystick, nur dass die meisten verwendeten Joysticks eben nicht in eine Nullposition zurückgezogen werden, sondern in der letzten Position verharren. Wählt man dann einen weiteren Scheinwerfer an, so reicht eine ganz kleine Veränderung am Joystick und der Scheinwerfer ist fast in der eingestellten Absolutposition des Joysticks. Das ist praktisch beim ersten groben Einstellen des Scheinwerfers. Für kleine Korrekteren dagegen ist das Auslenken aus der Nullposition heraus praktischer, da hier eine kleine Auslenkung nur eine kleine Beschleunigung der Bewegung bedeutet bzw. eine weite Auslenkung eine schelle Bewegung des Moving Lights und damit eine grobe Ausrichtung des Scheinwerfers bewirkt.

Ähnlich wie die Umschaltung von hochauflösend (Fine) auf Standard-Auflösung, ist ein Schalter zur Blockierung von Pan/Tilt-Joysticks bzw. Trackballs praktisch, so dass ein versehentliches Berühren des Trackballs nicht gleich die vorher mühsam eingestellte Ausrichtung wieder zunichte macht. Wenn dann noch Pan und Tilt getrennt zu blockieren sind, kann man z. B. komfortabel eine La-Ola-Welle zu programmieren, bei der nur die Tilt-Werte verändert und gespeichert werden, da man die Pan-Werte blockiert hatte und somit keine Werteänderung erfolgt.

Da Encoder meist in sehr begrenzter Anzahl bei einem Lichtstellpult eingesetzt werden, müssen die Steuerkreise in sinnigen Gruppen auf die Encoder verteilt werden. Eins der ersten Lichtstellpulte für Moving Lights hatte Encoder für drei Gruppen aufgeteilt: PCB stand für Position (sprich Pan und Tilt), C für Color (also die Farbinformationen) und B für Beam (also alle Gobo- und Fokusinformationen). Die späteren Generationen von Lichtstellpulten haben diese Aufteilung weiter heruntergebrochen, so dass zum Beispiel Gruppen in Intensitäten, Pan/Tilt, Farbe, Gobo, Prisma, Zoom oder Blendenschieber zu finden sind. Mit dem Umschalten zu einer Gruppe kann man dann mit den Encodern z. B. die einzelnen Farben Rot, Grün, Blau mit drei Encodern gleichzeitig einstellen, oder beim Beam, den Frost, die Iris und den Fokus.

Je nach Komfort kann man am Lichtstellpult eine sinnige Zusammenstellung der Gruppen selber vornehmen. So ist es sinnvoll, das z. B. der letzte Encoder in der Gobo-Gruppe immer für den Fokus belegt ist, damit man das Gobo auch scharf einrichten kann, wenn man es ausgewählt hat, ohne erst wieder die Gruppe wechseln zu müssen. Denn gerade bei gemischter Gobo-Bestückung mit Glas- und Metallgobos oder einfach beim Gobo-Morphen oder Strukturglas-Gobos muss man immer wieder den Fokus anpacken, um die gewünschte Schärfe bzw. Unschärfe nach der Gobo-Auswahl zu erreichen.

Wie bereits angesprochen ist es bei Anwahl mehrerer Scheinwerfertypen möglich, dass diese Typen sich von dem Funktionsprinzip erheblich unterscheiden. Nehmen wir z. B. einfach Farbmischsysteme: LED-Scheinwerfer nutzen RGB- und Moving Heads mit Entladungslampe verwenden meist ein CMY-Farbmischsystem. Bei einfachen Lichtstellpulten kann für beide angewählten Typen von Scheinwerfern nicht gleichzeitig die Farbe eingestellt werden. Man muss erst den einen Scheinwerfertyp einstellen und dann zum zweiten wechseln, um ihn einzustellen. Gut durchdachte Lichtstellpulte dagegen ermöglichen die Anwahl und Einstellung von unterschiedlichen Scheinwerfertypen. Dort kann über einen Colorpicker, der ein Farbauswahlfeld darstellt, die gewünschte Farbe aus dem Feld „herausgepickt“ und die passenden Parameter für den jeweiligen Scheinwerfertypen ausgegeben werden. Weiteren Komfort bietet auch die Möglichkeit, bei der Farbauswahl die Modi umzuschalten zwischen RGB, CMY, Colorpicker, HSI oder einfach nach Farbfoliennummer.

ETC Colorpicker
Scheinwerfertyp übergreifender Colorpicker (Bild: Herbert Bernstädt)

 

Screenshot FArbfolien auswahl
Auswahl der Farbe über Farbfoliennummer (Bild: Herbert Bernstädt)

 

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Fan / Align

Möchte man eine Gruppe von Moving Heads in gleicher Richtung ausrichten, dann ist das mit einer Gruppenanwahl und einem Positionsbefehl erledigt. Möchte man jedoch, dass die Gruppe von Scheinwerfern auf einer Fronttruss auf einen Punkt fokussieren oder wie ein Fächer nach außen abgestuft wegstrahlen, so müsste man jeden einzelnen Scheinwerfer anwählen und dann Pan/Tilt einstellen. Möchte man das exakt machen, hilft eine Berechnung, indem man sich z.B. den Pan-Wert des ersten Scheinwerfers sowie des letzten notiert. Diese Differenz geteilt durch die Scheinwerfer, die die Zwischenwerte annehmen sollen, ist dann das Delta von Scheinwerfer zu Scheinwerfer.

Diese numerische Operation kann natürlich auch der Computer übernehmen – was unser Lichtstellpult ja letztendlich ist. Diese Berechnung nennt der eine Hersteller z. B. Align-Funktion, während der andere Hersteller diese Funktion Fan (für Auffächern) nennt. Mit dieser Funktion ist es auch sehr einfach, Farbverläufe einer Scheinwerfergruppe herzustellen. Auch für die Align-Funktion gilt, dass die Reihenfolge der Anwahl oder der Scheinwerfer-ID eine Rolle spielt, denn das Pult selbst sieht ja nicht wie die Scheinwerfer im Raum verteilt sind. So kann es vorkommen, dass man bei unterbrochenen Reihen evtl. noch Scheinwerfer im Patch mit anlegt, obwohl diese gar nicht real existieren, sondern nur um die Automation am Pult sauber nutzen zu können, da diese imaginären Scheinwerfer die Lücken platzmäßig bedingter Unterbrechungen auffüllen. Je nach Pult verliert man bei imaginär angelegten Scheinwerfern noch nicht einmal DMX-Kreise, da man sie z. B. nicht patchen braucht.

Screenshot Fanfunktion
Einfache Erstellung eines Farbverlaufs mit der Fan-Funktion (Bild: Herbert Bernstädt)

 

Screenshot Fan Bedientasten
Beispiel der Bedienung einer Fan-Funktion (Bild: Herbert Bernstädt)

 

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Preset

Die wohl wichtigste Vorbereitung nach der Gruppierung ist das Bilden von Presets. Man könnte Presets am besten umschreiben mit indirekter Parametrierung. Ein Preset ist eine Speicherzelle, in der ein Parameterwert abgelegt wird. Anstatt nun in einem Cue den Parameterwert direkt zu speichern, speichert man in der Cue eine Verlinkung auf die Preset-Speicherzelle, die den Parameterwert beinhaltet. Das klingt zunächst umständlicher, jedoch die Stärke zeigt sich in der Anzahl der Wiederholungen.

Für einfache Parameter, wie das Gobo einfahren, werden oftmals schon fertige Presets von der Gerätebibliothek mitgeliefert, da sich diese Werte auch nicht mehr ändern werden. So ist z. B. der Parameter 127 Dezimal für das Sternen-Gobo hinterlegt. Zur besseren Übersicht wird dann das Preset nicht mit einer ID bezeichnet, sondern mit dem Text „Stern“ oder noch besser mit dem Bild des Gobos. So kann man dann beim Einrichten sehr schnell und intuitiv über das Zugreifen auf Presets das Lichtbild zusammenstellen.

Andere Presets muss man jedoch nach wie vor selber erstellen. Beispielsweise sind Zoom und Fokus für das Sternen-Gobo je nach aufprojizierter Entfernung unterschiedlich. Jetzt ist die Frage: kann man nun die Fokus-Information in das Gobo-Preset mit integrieren? Macht es Sinn, diese Information zum Gobo mit einzupacken? Oder macht es Sinn, extra Presets für den Fokus anzulegen? Dazu müsste erst einmal geklärt sein, ob das Pult überhaupt erlaubt, Informationen von der Beamgruppe in einem Preset der Gobogruppe mit zu speichern, oder benötigt man dann ein „All“-Preset in dem man die unterschiedlichsten Informationen zusammenfassen kann. Wenn dann eine Kombination der Gruppen möglich ist, bleibt weiter die Frage, ob mit der Fokus- auch die Iris-Information mit abgespeichert wird, oder ob man dem Preset noch zusätzlich mitteilen kann, dass aus der Gruppe des Beams nur die Fokus-Information mitzunehmen ist und die Iris-Information unberücksichtigt bleibt.

Spätestens jetzt wird es interessant, wenn man Presets auch kopieren kann, um sie dann in leicht veränderter Form erneut abzuspeichern. So kann z. B. bei zwei gleichzeitig eingefahrenen Gobos der Fokus im ersten Preset auf das erste Gobo scharf gezogen sein und im zweiten Preset auf das zweite Gobo. Auch kann es sehr sinnig sein, wenn man beim Kopieren, z. B. von „All“-Presets, bestimmte Informationen wieder herausfiltern kann, so dass man sagen kann „Kopier mir die Farb- und Beam-Information, aber nicht die Gobo-Information.“ Wir sprechen dann von Filterfunktionen.

Optimal ist es natürlich, wenn man als Anwender seine Preset-Gruppen und deren Attributtypen selber zusammenstellen kann. Auch ist es sehr arbeitserleichternd, wenn man einmal erstellte Presets in die Gerätebibliothek zurückspeichern kann. Denn wenn man z. B. den Farbstring der Rollenfarbwechsler anders bestückt und dementsprechend das Preset geändert hat, so ist es gut, dass beim Setup einer neuen Show mit dem Anlegen des Rollenfarbwechslers auch das geänderte Preset wieder mit zur Verfügung steht.

Farbpallette Screenshot
Beispiel einer Farbpalette bzw. Preset (Bild: Herbert Bernstädt)

 

Andere Presets, wie zum Beispiel für Pan und Tilt, müssen immer selbst erstellt werden, denn es gibt keine Werte die dabei gleich bleiben, wenn man die Locate- oder Highlite-Funktion einmal ausnimmt. Bei einer Rock’n’Roll-Show z. B. bildet man für Positionen des Schlagzeugers, Keyboarders, Gesang, aber auch die Gegenlichteffekte wie gerade ins Publikum, Fächer 1 usw. einzelne Presets. Man wird schnell feststellen, dass gar nicht so viele verschiedene Positionen für eine Show benötigt werden. Auch hier gilt, sich im Vorfeld Gedanken zu machen und dies auch schriftlich zu dokumentieren, wenn das Lichtstellpult keine Comments zulässt, um das, was man gespeichert hat, auch zu beschreiben. Denn eine gute Dokumentation ist das A und O einer verantwortungsvollen Arbeit. Nachdem man diese Presets erstellt hat und dann die erste Lichtstimmung programmieren möchte, sollte man sich von der direkten Parametereingabe hin zum Aufruf der Presets umgewöhnen. Meist wird bei den Encoder-Rädern angezeigt ob man direkt einen Wert eingegeben hat, indem die dezimale Zahl dargestellt wird, oder ob man ein Preset benutzt hat, indem der Name des Presets unter dem Encoder oder in der Übersicht am Bildschirm dargestellt wird. Deshalb sollte man sein Preset tunlichst nicht so benennen wie man den Wert eingestellt hat, z. B. 128 würde hier zur Unübersichtlichkeit beitragen.

Ist die zusammengestellte Lichtkomposition dann nach dem Geschmack, so wird ein Speicherbefehl in eine Cue-Liste oder ein Playbackregister erfolgen und die Cue speichert nur die verwendeten Preset-Speicherzellen und nicht deren Inhalt. Wird die Cue oder das Playback aufgerufen, erst dann wird der Parameter aus der Zelle aufgerufen. Abgesehen von dem Geschwindigkeitsvorteil beim Einrichten durch das wiederholte Zugreifen auf bereits erfolgte Einrichtarbeiten, ist es im Touring immens wichtig, alles auf Presets basierend zu programmieren, da man beim nächsten Mal in einer anderen Halle ist, die Bühne anders dimensioniert ist und dementsprechend andere Positionen angefahren werden müssen. Jetzt muss man nur noch seine Presets auf die neue Halle anpassen und schon sind alle Cues und Playbacks wieder für die neue Umgebung angepasst. Am besten hat man in seinen Unterlagen notiert, welche Presets für einen Ortswechsel angepasst werden müssen, denn wie bereits gesagt Gobo-Presets bleiben in einer neuen Halle identisch, jedoch der Fokus kann sich aufgrund der Bühnentiefe ändern.

Aber auch in einem festen Haus wie einem Theater ist es sinnvoll, mit Presets zu arbeiten. Hat der Regisseur mit der Parkbank an Position x geprobt, so kann es ihm in den Sinn kommen, dass es viel spannungsgeladener sein wird, wenn die Parkbank an Position y steht. Hat man nun seine Fokussierung über Presets angelegt, dann muss man nicht mehr alle Cues anfassen, um diese neue Position anzupassen. Oftmals ist das Programmieren über Presets auch kaum aufwendiger. Wenn man z. B. eine Cue als Szenenbild abspeichern möchte, braucht man vorher nur die Positionen als Preset entsprechend der Scheinwerfergruppen als Preset abspeichern. Ein gutes Pult ändert im Programmer sofort den Inhalt als Preset-Verweis und mit dem nächsten Cue-Speicherbefehl ist der Verweis auf das Preset gespeichert und nicht der absolute Wert. Somit sind Presets eine große Arbeitserleichterung beim Lichtsetzen und sollten nach dem Bilden von Gruppen das Nächste sein, was man am Pult vorbereitet.

 

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Effekte

Zu Beginn der bewegten Scheinwerfer musste man vier Cues speichern, um einen Kreis mit einem Moving Light abzufahren – was bereits schon sehr tricky war, denn man hatte pro Cue einen Eckpunkt eines Quadrats als Zielpunkt abgespeichert. Und dann hat man die Überblendzeit so lang gewählt, dass das Moving Light den Zielpunkt gar nicht erreichen konnte, sondern bereits die nächste Cue aufgerufen wurde und somit zum nächsten Zielpunkt abschwenkte. Diese Cue-Liste als Endlosschleife – so hat man damals Kreisfahrten realisiert.

Heute übernehmen das Effekt-Engines, Effektgeneratoren oder Bewegungsmuster-Editoren. Die Ausführung und Komfortabilität sind von Pult zu Pult sehr unterschiedlich ausgeprägt. Es gibt Pulte, die erlauben nur die Grundbewegungen wie Kreis, Acht, Viereck oder Zickzack für Pan und Tilt. Andere Generatoren erlauben diese Anwendung auch auf Farbinformation, Beam, Dimmer bzw. allen Attributen. Dabei sind Bewegungen wie Kreis oder Wellenform noch mannigfaltig komplexer ausgeführt. Dies geht soweit, dass der Operator selber mathematische Gleichungen nachfahren lassen kann, um Sprungfunktionen zu realisieren wie es nun mal bei einem Tangens als Funktion von x eintreten kann. Nicht alle Möglichkeiten sind auch sinnvoll oder für alle Parametergruppen zu nutzen. Aber bestimmte Funktionen haben sich als sehr praktisch herausgestellt.

Sinnvoll ist auch die Definition, um welche Basis der Effekt sich bewegen soll, also die Ausgangsposition. Dann die Startposition von wo aus der Effekt in seine Schleife hineinfahren soll. Nach wie vielen Durchläufen der Effekt wieder enden oder ob er unendlich weiterfahren soll. Dann zwischen welchen Werten sich der Effekt maximal und minimal bewegen darf. Weiter ist natürlich die Effektgeschwindigkeit wichtig. Rechtsherum, linksherum, Bounce und Doppelbounce sind auch gern gesehene Varianten, die eine Effekt-Engine beherrschen sollte. Natürlich ist es auch interessant wie viele der Scheinwerfer der Effektgruppe gerade dem Effekt-Algorithmus folgen und wie viele hinterherhinken. Möchte man, dass sich alle Scheinwerfer synchron bewegen oder soll ein sogenannter Nachlaufeffekt gezeigt werden? Sollen die Befehle sprunghaft erfolgen oder ein weiches Überblenden? Und zuletzt ist eine der wichtigsten Funktionen der Zufallsgenerator – inwieweit kann mit ihm auch ein zufälliges Erscheinungsbild gezeigt werden?

So kann jeder schnell einmal einen Test an seinem Lichtstellpult machen, indem er versucht einen Nightrider-Effekt mit einigen LED-RGB-Pars zu realisieren. Es könnte z. B. mit folgenden Befehlen realisiert werden: Gruppe anwählen, Farbe Rot von 0 bis 100 % wechseln, von links nach rechts und wieder zurück (Bounce). Die Anzahl der Scheinwerfer, die gleichzeitig rot leuchten, festlegen, Geschwindigkeit definieren, fertig und als Cue abspeichern. So schnell kann es gehen. Wenn mit Aufrufen der Cue auch noch nachträglich mit Encodern die Geschwindigkeit und Größe des Effekts zu verändern sind, hat man eine sehr funktionelle Maschine zur Hand.

Screenshot Effekte Einrichten
Einfache, aber wirksame Effekt-Engine (Bild: Herbert Bernstädt)

 

 

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Vorgehen

Nach dem Setup bildet man zunächst Gruppen. Nach den Gruppen werden die Presets erstellt. Und erst dann beginnt man aus den Gruppen und Presets seine Stimmungsbilder zu kreieren, um eine Lichtstimmung (Cue) zu speichern. Weitere Informationen: s. Kapitel Presets bei Lichtstellpulten.

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