Licht

Speichern im Lichtstellpult

Lichtstellpult: Tracking oder Cue only?

Unter Tracking versteht man die Arbeitsweise eines Lichtstellpults, das pro Cue nur die Veränderungen der Werte abspeichert. Ein Vorteil von Tracking ist, dass man weniger Speicherplatz benötigt.

Pultoberfläche
Einzelkreissteller und Register satt Besonderheit der Roller-Cue hier: durch Drehen des Zylinders schaltet man die Faderbank auf die entsprechende Seite, zu der auch die Beschriftung auf dem Zylinder passt. (Bild: Herbert Bernstädt)

 

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Früher war jede Speicherstelle mit deutlichen Kosten verbunden – heute spielt Speicherplatz jedoch keine Rolle mehr. Ein Vorteil von Tracking ist, dass man bei vergessenen Scheinwerfern wie z.B. einer Nachttischlampe, nur zwei Cues verändern muss: Den Cue zum Einschalten und den Cue zum Ausschalten. Die diversen Cues, die dazwischenliegen, müssen nicht verändert werden. Ein weiterer Vorteil ist außerdem, dass man beim Tracking die Möglichkeit hat z. B. nur Bewegungen oder Farben als Änderung abzuspeichern, während alle anderen Parameter unverändert bleiben bzw. ignoriert und nicht überschrieben werden.

Ein Nachteil ist, dass die Vorgeschichte immer eine Rolle spielt. Das heißt, je nachdem wie der Scheinwerfer mit seinen Parametern eingestellt war, verharrt er in seiner vorherigen Einstellung, denn durch das Tracking werden nur die neuen Werte übermittelt. War der Scheinwerfer z.B. mit den Attributen vorher in einem anderen Zustand wie Shutter 0 %, so kann er mit Aufrufen des Cues – der evtl. dieses Attribut nicht gespeichert hat und damit auch keinen Wert für den Shutter bereithält – dunkel bleiben, weil der Shutter beim Erstellen der Cue (aus welchen Gründen auch immer) offen war. Um diese ungewollte Dunkelheit zu verhindern, gibt es sogenannte Block-Stimmungen, mit denen alle Parameter gespeichert werden, damit man einen definierten Anfangs- bzw. Ausgangspunkt hat.

Ein weiterer Nachteil ist, dass bei sporadischen Änderungen – wie z. B. ein spontan aufgezogenes Aufhelllicht, das notwendig ist, weil der Schauspieler unabgesprochen zu weit auf die Vorbühne gegangen ist – diese mit dem Hereinfahren der nächsten Szene nicht wieder zurückgenommen werden. Der Aufhellscheinwerfer bleibt so lange stehen, bis man ihn aktiv wieder herausnimmt. Das kann bei einem Blackout als Folgestimmung unprofessionell aussehen, wenn man nicht schnell genug ist oder die Scheinwerferänderung nach drei Zwischenszenenbildern schlicht vergessen hat.

Andere bevorzugen aber genau aus diesem Grund das Tracking-System, da sie bei den drei Zwischenstimmungen eben nicht jedes Mal den Scheinwerfer neu hinzufügen müssen, wenn der Schauspieler alle Szenen über nicht in seine ursprüngliche Position zurückfindet.

Woher kommt das Tracking?

Geschichtlich gesehen kommen die Trackingpulte aus den USA, bei denen eine gesättigte Bestückung mit hoher Kreis- bzw. Kanalanzahl vorlag bzw. vorliegt. Während man in Deutschland bzw. Europa mit wenigen sehr hochwertigen Projektoren arbeitet, die mit hohem personellen Aufwand umgehängt und eingerichtet werden, hatte man über dem Ozean lieber Batterien von Scheinwerfern, die nahtlos übergehend die Bühnen vollständig ausleuchteten bzw. untereinander aufteilten. Wenn man z. B. hinten links Licht benötigte, wurde einfach der entsprechende, dafür platzierte Scheinwerfer aufgezogen. So hatte man viele Kreise – zu der Zeit war eine Speicherzelle noch Handarbeit und dementsprechend teuer. Kurz: um Speicherplatz zu sparen kam man auf die Idee, nur die Veränderungen zu speichern anstatt alle Scheinwerferkreise. Dagegen war die Kanalanzahl in Deutschland bzw. Europa überschaubar und man ging eher dazu über, dass alles, was man in einem Szenenbild gesehen hatte, auch genau so abgespeichert wurde. Um bei unserem Beispiel zu bleiben: Hat man den Schauspieler mit einem zusätzlichen Steuerkreis auf der Vorbühne erhellt, verschwindet der Scheinwerfer automatisch wieder, wenn die nächste Stimmung aufgerufen wird, weil die nächste Stimmung diesen Scheinwerfer eben in der Beleuchtungsprobe mit 0 % abgespeichert wurde.

Prinzip zur veranschaulichung Tracking
1. Spalte Rec. Cue Only Blockstimmungen – alle 3 Kreise werden gespeichert
2. Spalte Rec. Tracking Tracking – im 2. Cue wird nur Kreis 3 aufgezeichnet
Erste Zeile rechts Playback im Cue-Only-Mode – mit Aufruf vom 3. Cue wandert das Moving Light zurück in Cue 3 Position
Zweite Zeile rechts Playback im Tracking – das Moving Light bleibt in seiner Position.
(Bild: Herbert Bernstädt)

 

Tracking vs. Cue Only

Aber auch heute, wo Speicherplatz keine Kostenstelle mehr darstellt, ist das Tracking nicht in jedem Theaterhaus willkommen. Betrachten wir uns dazu einmal den Theaterbetrieb genauer. Bei Theater- oder Musicalbetrieb ist der Ablauf sehr starr und festgelegt. Hier gilt es, eine Sequenzliste systematisch Schritt für Schritt abzuarbeiten. Deshalb ist es für einen Theaterbetrieb am besten, wenn man Szenenbilder chronologisch zu einer Cueliste ordnet. Dann kann man zur Vorstellung einfach mit dem Playbacktaster von Cue zu Cue gemäß den dort abgespeicherten Zeiten überblenden. Bei den Proben springt der Regisseur jedoch oft von Szene X in Szene Y. Das Licht muss dann genau so sein, wie in der Beleuchtungsprobe festgelegt bzw. gespeichert wurde. Die Vorgeschichte der Scheinwerfer hat dann nicht zu interessieren. Der Beleuchter ist hier also auf der sicheren Seite, wenn jede Lichtstimmung als komplette Stimmung der Szene gespeichert wurde. Er wird das Speichern nach Cue-Only also bevorzugen. Sollte man gezwungen sein, mehrere Cues zu überspringen oder zurück zum vorigen Cue zu gehen – z.B. wenn die Darsteller im Text bzw. in der Szene gesprungen sind – kann man beim Cue Only-Pult einfach in die entsprechende Szene überblenden. Man ruft also immer genau die Lichtstimmung auf, die man auch abgespeichert hat.

Der typische „Musik-Job“ dagegen erfordert eine sehr intuitive und auf das gerade stattfindende Szenario ausgerichtete Arbeitsweise – zumindest solange der Musiker nicht nur durch die Wahnsinns-Lichtshow getragen werden muss, in der bereits alles vorprogrammiert ist. Im Gegensatz zum Theater sind hier die Abläufe der Protagonisten nicht fest vorgegeben. Die Band agiert völlig frei und meist von Tag zu Tag recht unterschiedlich. Aus diesem Grund werden zwar für einen Song bestimmte Grundstimmungen vorprogrammiert, die Szenenschwerpunkte auf Refrain, Bridge und Soli haben, aber dennoch eine ständige musikalische bzw. taktbezogene Triggerung benötigen.

In Clubs und Diskotheken ist man als Lightjockey noch etwas freier und richtet sich kreativ nach dem Geschehen auf der Tanzfläche. Hierbei ist es nötig, jederzeit auf vorprogrammierte Teile zurückgreifen zu können, die dann wie bei einem Baukasten zu einem Gesamtbild zusammengefügt werden. Dabei sind Trackingkonsolen durch nichts zu ersetzen. Da beim Tracking nur Veränderungen gespeichert werden, kann man hingehen und z. B. Cues schreiben, die nur bestimmte Funktionsgruppen beinhalten, die nur die Intensitäten und Strobokanäle verändern und dementsprechend abgespeichert sind. Auf anderen Cue-Listen werden nur Farbveränderungen gespeichert. Wiederum andere Cues beinhalten nur Positions-Cues wie z. B. 4 Spots auf den Sänger, 2 Spots auf die Spiegelkugel, Welle in das Publikum … Nun kann durch Aufrufen der entsprechenden Cues das grundsätzliche Songlicht beibehalten werden, aber wenn der Sänger „Grün“ singt wird einfach mit dem Farb-Cue die Farbe gewechselt, wobei alles andere wie Ausrichtung der Scheinwerfer so bleibt, da diese Informationen in dem Farb-Cue nicht vorhanden sind und somit auch die bisherige Stimmung nicht überschrieben wird. Durch die Vielfalt der Kombinationen kann man ein auch auf Dauer abwechslungsreiches Licht bieten und spontan auf die Geschehnisse auf der Bühne eingehen.

Speicherung von Lichtstimmungen

Hat man ein Szenenbild erstellt und weiß, ob man es als Block-Stimmung (Cue Only) oder als Tracking (nur die Veränderung) abspeichern möchte, stellt sich nun die Frage, wohin man diese Lichtstimmung speichert, um sie später in der Show zu einem bestimmten Zeitpunkt aufrufen zu können. Auch hier gibt es neben vielen besonderen Detaillösungen drei grundsätzliche Arten:

  • Eine grundlegende Art eine Lichtstimmung abzuspeichern, ist das Speichern des Inhalts des Programmers als eine Szene (Cue) in einer Szenenliste (Cue-List, zeitweise auch Sequenz genannt). Meist wird mit dem nächsten Speicherbefehl dann eine folgende Lichtszene mit fortlaufender Nummerierung abgespeichert. Diese Szenenliste wird gerne in Theatern eingesetzt bei denen der Handlungsablauf chronologisch fortlaufend ist und somit eine sequentielle Abarbeitung einer Stimmungsliste entgegenkommt.
  • Eine andere Art ist das Abspeichern auf einem Wiedergabe-Register. Dieses Wiedergaberegister kann dann diese eine Stimmung wiedergeben.
  • Viele Pulte erlauben mit diesem Register auch eine Zuordnung einer ganzen Cue-Liste – in diesem Fall spricht man dann von einem Playback-Register. Mit Wiedergaberegistern muss man keine chronologische Reihenfolge zur Aktivierung einhalten, da diese meist im direkten Zugriff legen.

 

Halten wir fest: Wir können mit dem Programmer ein Lichtbild erstellen. Dieses Lichtbild kann als Cue-Only bzw. Blockstimmung gespeichert werden und überschreibt bei Aufruf derselben alle anderen vorigen Einstellungen. Oder die Stimmung wird als Trackingstimmung gespeichert, bei der nur die Änderungen gespeichert werden. Ob ein Attribut als geändert abgespeichert werden muss, erfolgt in der Regel durch das Anwählen des Scheinwerfers im Programmer. Wird dann mittels Encoder oder anderer Eingabe ein Attribut bewegt, dann erhält dieses Attribut ein Veränderungsflag bzw. eine Markierung, dass das Attribut verändert wurde. So wird das Attribut beim Speicherbefehl gespeichert, obwohl es evtl. zwischenzeitlich genau den gleichen Wert angenommen hat wie zuvor auch und real keine Veränderung vorlag. So kann man z. B. Sorge tragen, dass dieses Attribut mit dieser Cue auf jeden Fall einen Wert erhält, der in der eingerichteten Stimmung anlag. Diese Kennzeichnung (Flag) kann auch genutzt werden, um per Steuerbefehl auch einfach gelöscht zu werden. So kann man im Programmer den Scheinwerfer einrichten, jedoch wird dann dieses vom Flag befreite Attribut von der Trackingkonsole dann nicht mit abgespeichert. Auf der anderen Seite werden zur Bildung einer Blockstimmung alle Attribute mit dem Flag gekennzeichnet und somit als vermeintliche Änderung abgespeichert.

Während ein Theaterstück das Haus in der Regel nicht verlässt, aber Rock’n’Roll meist von Halle zu Halle zieht, hat sich eine weitere Speicherzellenart bzw. Zwischenspeicher etabliert, mit der es möglich ist, Änderungen – z. B. hervorgerufen durch andere Bühnengeometrien bei Standortwechsel – schnell auf große, komplexe Cue-Listen zu übertragen.

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